
In
immer mehr Krankenhäusern findet eine "Clownsprechstunde"
oder "Clownvisite" statt. Lachen und Spielen macht
Spaß und aktiviert die Selbstheilungskräfte.
Die Clowns werden vor ihren Auftritten von den Ärzten,
Krankenschwestern und Kinderpsychologen über die
medizinische Situation und die Stimmung der einzelnen Patienten
aufgeklärt. Anschließend ziehen sie durch die
Zimmer, um die kranken Kinder mit ihrer Fröhlichkeit
anzustecken und ihren grauen Klinikalltag aufzuhellen. Der
Klinik-Clown Lauscho (Sajjano) arbeitet zusammen mit drei
anderen Kollegen in der Kinderstation der Lörracher
Klinik. Parigyan unterhielt sich mit ihm über seine
Arbeit.
In
immer mehr Krankenhäusern findet eine "Clownsprechstunde"
oder "Clownvisite" statt. Lachen und Spielen macht
Spaß und aktiviert die Selbstheilungskräfte.
Die Clowns werden vor ihren Auftritten von den Ärzten,
Krankenschwestern und Kinderpsychologen über die
medizinische Situation und die Stimmung der einzelnen Patienten
aufgeklärt. Anschließend ziehen sie durch die
Zimmer, um die kranken Kinder mit ihrer Fröhlichkeit
anzustecken und ihren grauen Klinikalltag aufzuhellen. Der
Klinik-Clown Lauscho (Sajjano) arbeitet zusammen mit drei
anderen Kollegen in der Kinderstation der Lörracher
Klinik. Parigyan unterhielt sich mit ihm über seine
Arbeit.
Seit
fünf Jahren, erzählt Lauscho begeistert, arbeitet
er als Clown in einem Kinderkrankenhaus in Lörrach.
Zusammen mit einer Clownkollegin besucht er die Krankenzimmer
der Kinder, spielt mit ihnen und macht auf seinen Instrumenten
Musik. Er und drei andere Clowns bilden ein Team. "Wir
haben uns vorgenommen, dass wir immer zu zweit - ein Mann
und eine Frau - losgehen, weil die Kinder dann eine Art
Mama und Papa als Ansprechpartner haben. Wir gehen dabei
durch drei Stationen von Zimmer zu Zimmer. Manchmal sind
zwei Kinder in einem Zimmer, manchmal auch vier oder fünf.
Wir wissen vorher wirklich nicht, was wir machen werden,
sondern improvisieren und spielen einfach drauflos. Zu zweit
ist das gemeinsame Spielen natürlich leichter: Der
eine hat einen Einfall und der andere steigt drauf ein.
Allein wird der Kontakt zwischen Kind und Clown viel stärker.
Zu den Kindern durchzudringen ist uns das Wichtigste - direkt,
authentisch und ehrlich. Beim Spielen behalten wir immer
das Gesicht des Kindes im Auge: Wie fühlt es sich?
Was macht ihm Spaß? Wo steigt es ins Spiel ein?"
CLOWNSTAG
Jeden Dienstag ist im Lörracher Kinderkrankenhaus Clowns-Tag.
Das wissen die Ärzte und das Pflegepersonal. Und sie
sagen es natürlich auch den Kindern, damit die sich
schon mal darauf freuen können. Manchmal passiert es
sogar, dass ein Kind, das entlassen werden soll, noch bleiben
möchte, bis Lauscho und seine Clownpartnerin da waren.
"Manche Kinder sehen wir selten, weil ihr Leiden nicht
weiter schlimm ist, aber mit den chronisch oder schwer kranken
Kindern, die öfter ins Krankenhaus müssen, können
wir eine tiefere Beziehung aufbauen."
Für Sajjano steht die direkte Begegnung, der Kontakt
zu diesem kleinen Menschen, der womöglich Krebs hat
und leidet, im Vordergrund. "Das Hinspüren ist
sehr wichtig", meint Sajjano. "Wenn ein Kind sehr
krank ist oder sogar im Sterben liegt und die Mutter weint,
dann mache ich meistens nur noch Musik, und zwar eine, die
die Atmosphäre entspannt." Bevor die Clowns losziehen,
erfolgt im Ärztezimmer die so genannte "Übergabe".
Sie erhalten wichtige Informationen, etwa über ansteckende
Krankheiten oder welche Krankenzimmer nicht aufgesucht werden
dürfen und wo man sich vorher desinfizieren muss. "Wir
gehen dann in die Zimmer und fragen die Kinder ganz vorsichtig,
ob wir reinkommen dürfen. Es ist ja ihr Schlaf- und
Lebensraum; der ist intim und hat eine gewisse Grenze, die
wir nicht ohne ihre Erlaubnis überschreiten. Meistens
sagen sie natürlich Ja. Für die Kinder ist unser
Besuch eine willkommene Abwechslung im tristen Krankenhausalltag."
Dann wird gespielt! Lauscho hat jede Menge Instrumente dabei,
eine Bratsche, eine Ukulele (eine winzige Gitarre) und kleine
Flöten. Diese kommen jetzt zum Einsatz. Aber es bleibt
nicht nur bei Musik. Was gespielt wird, hängt davon
ab, was im Zimmer passiert. Da gibt es spontane Sketche,
witzige Szenen oder es wird einfach nur Quatsch gemacht.
Die Clowns wollen Humor und Leichtigkeit verbreiten. "Manchmal
spielen wir richtig intensiv etwa eine Viertelstunde. Im
Schnitt sind es aber nur um die fünf Minuten, sonst
schaffen wir nicht alle Stationen. Bei den kleinen Kindern
kommen wir sehr gut an. Aber bei Teenagern fragen wir erst,
ob sie sich nicht zu alt fühlen für uns Clowns.
Manchmal sagen sie "Ja", manchmal "Egal".
Bei Letzterem sind wir dann nicht so sehr Clowns, trotz
unserer roten Nasen und Punkte im Gesicht, sondern erkundigen
uns eher, wie es ihnen geht oder welche Musik sie gern hören.
Ich versuche immer, sie dort abzuholen, wo sie sind. Wenn
sie z.B. den Film Der Untergang der Titanic gesehen haben,
spiele ich ihnen die Filmmusik auf der Bratsche vor, meine
Partnerin spielt Leonardo di Caprio und eine dritte Person
die Kate Winslett. Jugendliche lieben diese Geschichte von
Liebe und Trennung, da gehen sie gerne mit. Zögen wir
einfach nur unsere Clownnummer ab, wäre das oft peinlich."
Es ist eine sehr einfühlsame Arbeit. Was gespielt wird
und ob es zu den Kindern durchdringt, beruht immer wieder
auf Beobachtungen wie: "Was stimmt gerade für
diese Situation? Welcher Spaß passt zu diesem Moment?"
WIE
ALLES ANFING
Sajjanos Clownsarbeit mit Kindern begann mit der Musik,
die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht; Geigenunterricht
mit zehn Jahren, dann nach dem Abi Kinder- und Jugendtheater,
später Musiker und Bühnendarsteller. "Vor
etwa acht Jahren traf ich dann über eine Anzeige einen
Clownskollegen. Wir traten zusammen als Clownduo auf und
hatten unheimlich viel Spaß. Vor fünf Jahren
fingen wir mit ehrenamtlichen Auftritten in der Universitätsklinik
Freiburg an. Dort fand ein richtiges Casting statt; die
Anstellung als professionelle Clowns für die Klinik
hat mein Partner dann aber zusammen mit einer anderen Partnerin
gewonnen. Das war das Ende unseres Duos und ich geriet in
eine ziemliche Krise. Ich fand dann eine Klinik in Lörrach,
wo ich auch heute noch arbeite, inzwischen mit neuen Partnern.
Nach viel persönlichem Einsatz ist unser Projekt jetzt
unter Dach und Fach."
IN
ANDERE WELTEN EINTAUCHEN
Demnächst kommt für die Lörracher Clowns
noch die Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie hinzu.
Dafür schreiben sie gerade ein neues Konzept. Geplant
ist ein Theaterkurs für Kinder und Jugendliche, bei
dem diese selbst mitspielen können. "Es muss nicht
alles clownesk sein, was wir tun", sagt Sajjano, "aber
es ist uns wichtig, dass die Kinder spielerisch in verschiedene
Rollen schlüpfen. So können sie durch das Spiel
in andere Welten eintauchen und in einer heiteren Atmosphäre
die Schwere ihrer gegenwärtigen Situation zumindest
für den Moment vergessen." Spontaneität ist
zweifellos zentral wichtig für Sajjanos Arbeit. Man
kann nicht mit einem fertigen Stück antreten, sondern
muss mit dem gehen, was gerade stattfindet. Und das ist
vielleicht gar nicht so lustig. "Vorbereitete Gags
haben wir nur wenige. Die sind eher Krücken für
uns", betont Sajjano. "Wir möchten, dass
sich die Komik aus der Situation ergibt und keiner von uns
weiß, was als Nächstes passiert. Das ist ein
hoher Anspruch. Und es klappt auch nicht immer. Wir wollen
wahrhaftig sein. Steht ein Clown z.B. dumm da und weiß
nicht, was los ist, dann darf das auch so sein. Er ist ja
ein Clown, er braucht seine Unsicherheit nicht zu vertuschen.
Und wenn ich dann überhaupt nicht mehr weiterweiß,
greif ich halt zur Musik, da fühl ich mich sicher."
Und
wie ist es mit dem Anspruch, andere zum Lachen zu bringen?
Der scheint nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen: "Es
geht schon auch ums Lachen, aber wir mögen es nicht,
wenn Mütter zu ihren Kindern sagen: Jetzt lach
doch mal!' Wir wünschen uns zwar eine heitere Atmosphäre,
aber vor allem möchten wir die Kinder innerlich berühren."
Werden Kinder krank, sind es oft die Eltern, die am meisten
leiden. Eine schwierige Situation für die Clowns. "Oft
sind die Eltern, meist aber Mütter mit dabei. Die brauchen
mehr Aufheiterung als ihre Kinder, und so integrieren wir
sie ins Spiel. Dann verteilen wir z.B. Klangröhren
und ich spiele ihnen, Bruder Jakob' vor - auf Türkisch
oder Italienisch, je nachdem woher die Familie stammt. Danach
verteile ich einfach Töne und wir spielen alle zusammen.
Wenn es mal schwierig ist, zu einem Kind Kontakt zu bekommen,
nehmen wir den Umweg über die Mutter. Alle werden geduzt,
als Clown duzt du jeden. Mein Name ist Lauscho, das kommt
von Lauschen. Ich höre immer überall hin. Und
da ich mir die Clownerei über die Musik erschlossen
habe, ergab sich der Name dann wie von selbst."
EIN
STÜCK KINDHEIT NACHHOLEN
Es gibt sogar Fortbildungen für Clowns und einen Clowns-Berufsverband!
Seit etwa fünf Jahren gibt es das Bububü ("Buntes
Bundes Bündnis"- Clowns in der Klinik). Sie treffen
sich einmal im Jahr auf dem UFA-Gelände in Berlin.
Das Bububü ist der Zusammenschluss aller Klinikclowns-Vereine;
die gibt es in allen Großstädten. Auf dem dreitägigen
Festival finden Austausch, Inspiration und Workshops statt.
Sogar mit Supervision! Clowns sind sehr gut darin, spielerisch
miteinander umzugehen und gemeinsam zu feiern. Für
Sajjano bedeutet das ganze Clownspielen auch, ein Stück
seiner Kindheit nachzuholen - endlich nach Herzenslust spielen
zu dürfen. Er ist dankbar dafür, dass er das machen
kann und auch noch dafür bezahlt wird. "Ein Klinikclown
ist etwas ganz anderes als ein Zirkusclown, der dick geschminkt
ist und alle zum Lachen bringen muss. Wir sind nur wenig
geschminkt und kaum kostümiert. Wir wollen hinspüren,
was anliegt, und vor allem aufrichtig und präsent sein."
TIEF
BERÜHREND
Der Clown wird von der Klinik engagiert; denn er soll die
Kinder in ihren Heilungsprozessen unterstützen und
ihnen ihre Ängste nehmen. Der wohl berühmteste
Klinikclown ist Patch Adams, über den es auch den gleichnamigen
Film gibt. Sajjano illustriert seine Arbeit mit einem konkreten
Beispiel: "Kinder haben z.B. oft Angst vor Spritzen.
In dieser Situation sind wir Clowns, die Bunten'. Da kommen
die Weißen' (die Ärzte) mit den Spritzen, und
wir versuchen den Kindern diese Prozedur zu erleichtern.
Wir haben auch Riesenspritzen mit Seifenblasen dabei und
schicken schillernde Blasen auf die Weißen los. Manchmal
klappt das mit den Seifenblasen gut. Während die Kinder
ihre Injektion bekommen, schauen sie in die Seifenblasen!"
Tief berührend ist, wenn Kinder im Sterben liegen.
"Einmal lag ein Kind im Sterben, ganz allein im Dunkeln
an den Schläuchen. Dass es da so ganz ohne Eltern lag,
hat mich mehr bewegt als die Tatsache, dass es nun stirbt.
Nach solchen Momenten fühle ich mich sehr müde.
Dennoch habe ich das Gefühl, dass es eine gute Arbeit
ist, die ich hier mache. Wir haben sehr guten Kontakt zu
den Ärzten und ich finde, dass gerade die Kinderärzte
erstklassige Arbeit leisten."
DIE
KINDLICHE SEHWEISE IM ALTER
Bei dem letzten Bububü- Austausch in Berlin war das
Thema Alter sehr aktuell. Die heutige Gesellschaft altert
zunehmend und der Trend ist, dass die Klinikclowns von den
Kinderkrankenhäusern auf die Altenheime übergehen.
Sajjano hat da schon in einigen ehrenamtlichen Projekten
Erfahrungen gesammelt und mit alten Menschen gespielt.
"Ich habe beobachtet, dass alte Menschen und vor allem
Demenzkranke unwahrscheinlich nah am Kindsein dran sind.
Sie sind ein sehr dankbares Publikum und für jeden
Blödsinn zu haben. Sie leben in ihrer eigenen Welt
und sind raus aus dem normalen vernünftigen Alltag.
Jetzt brauchen sie nicht mehr zu kämpfen und haben
wieder eine ganz kindliche Sichtweise. Was mich total begeistert,
ist vor allem, wie spontan sie mit uns mitgehen. Es ist
schlimm zu sehen, wie vereinsamt alte Menschen oft leben.
Wenn da jemand eine heitere, spielerische Atmosphäre
erzeugt, sind sie sehr dankbar. Das ist eine wunderschöne
Arbeit, die auch mehr Humor in mein eigenes Leben bringt."
Lauscho schüttelt seinen grauen Wuschelkopf und strahlt.
Seine lustigen Augen blitzen hellwach, er streckt und räkelt
sich genüsslich auf dem Sofa. Wie auf ein geheimes
Kommando ist das Gespräch beendet. Genug gequatscht.
Auf geht's, zum Spielen!
Sajjano
ist Klinikclown, Primärtherapeut und arbeitet mit Familienaufstellungen."